Ausstellung Würzburg 20. März - 19. Mai 2007

Von Pirot bis Smyrna

Antike Kelims und Teppiche vom Balkan
und aus West-Anatolien

Manastir
Makedonien
Sarköy
Thrakien
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Antike Kelims und Teppiche vom Balkan und aus West-Anatolien

In den letzten Jahrzehnten stieß ich während meiner Reisen in Anatolien immer wieder auf Flachgewebe, die sich von den meisten anatolischen Kelims deutlich unterschieden. Es waren mit sehr fein gesponnener Wolle oft fast papierdünne Gewebe, die deutliche Farb- und Musterverwandtschaft mit dem südosteuropäischen Kelim aufwiesen. Diese Textilien wurden in den letzten Jahrhunderten vorwiegend in dem heutigen Bulgarien gewebt und beziehen sich hauptsächlich auf die Mustertradition der bulgarischen (Ur-)bevölkerung, die als asiatische Turkvölker im 7. Jh. n. Chr. über die Donau setzten, einwanderten und sich mit den dortigen Slawen vermischten. Strittig ist bis heute, ob die anatolischen Elemente, z. B. des Sarköy-Kelims, auf diese erste Turkbesiedelung oder auf die Osmanischen Eroberungen des 15. und 16. Jh. zurückzuführen sind. Damals zogen zahlreiche Yörükenstämme aus Nordwest- und Westanatolien in die frisch eroberten Gebiete des Balkans und usurpierten die besten Weidegebiete. Natürlich wurde dadurch auch die Textil-Kultur dieser Region stark beeinflusst.
Beeindruckt war ich bei den Geweben immer von der Einzigartigkeit und der fühlbaren Magie. Bei der Beschäftigung mit den Balkangeweben fielen mir immer wieder die Ähnlichkeiten zwischen sog. Sarköy-Kelims und sog. Manastir-Kelims, aber auch -Teppichen auf. Diese Web- und Knüpfarbeiten stammen meistens aus dem Balkangebiet.
Da aber das Osmanische Reich sich im 18. und 19. Jh. immer weiter zurückzog und Anfang des 20. Jh. fast den gesamten Balkan verloren hatte, setzte in diesen Zeiten parallel eine immer stärker werdende Rückwanderung der türkischen Bevölkerung ein. Sie siedelten sich vor allem in West- und Zentral-Anatolien wieder an; und webten und knüpften weiter ihren althergebrachten Kelim oder Teppich. So läßt sich der Ursprung oft nicht genau bestimmen. Die anatolische Mustertradition wanderte also mit den Eroberern weit nach Südosteuropa, vermischte sich dort mit einheimischen Elementen und kehrte dann Jahrhunderte später wieder nach Anatolien zurück.