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Ausstellung vom
29. April bis 31.Mai 2003

Flachgewebe aus dem
Taurus - Seltene antike Schmucksäcke und Kelims








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Flachgewebe aus dem Taurus
Seit ich Mitte der 70er Jahre den Taurus zum ersten Mal sah, zog es mich immer wieder in jenes geheimnisvolle und wunderschöne Gebirge zurück. Seine Bewohner führten ein besonders freies, halbnomadisches Leben.
Das hat sich bis heute im Herdenauftrieb von den Winterquartieren (Kisla) zu den Sommerweiden (Yayla) erhalten. Besonders gefielen mir ihre Textilien, die sie für ihr alltäglichs Leben gebrauchten. Vor allem die Schmucksäcke (Cuval), die sie in besonderen Webtechniken erstellten, hatten es mir angetan.
Schon seit frühester Zeit hat der große Gebirgsszug, der die anatolische Hochebene von Südwesten bis Südosten umfaßt, den durchreisenden Völkern Zuflucht geboten. Das Gebirge mit seinen zehntausenden Höhlen (weit mehr als in Kapadokien!) und abgelegenen Tälern war ein ideales Rückzugsgebiet - sowohl für die Urbevölkerung, wie für bedrängte Neuankömmlinge. Meist siedeln heute im Westlichen und Mittleren Taurus Yörükenstämme.
Sie wurden im 10. Jh. n. Chr. von den Mongolen aus ihrer Heimat vertrieben und ließen sich letztendlich in den gebirgigen Regionen nördlich der Mittelmeerküste nieder. Im Äußeren Taurus und den weiter östlich gelegenen Gebirgszügen leben hauptsächlich Kurden. Sie wurden teilweise dorthin durch den osmanischen Herrscher "umgesiedelt" oder sind im nordöstlichen Randgebiet sogar die einzige stammesmäßig erhalten gebliebene "Urbevölkerung" dieser Region.
Wie überall ist die Kultur der Yörüken und Kurden seit Jahrhunderten einem sich immer mehr beschleunigenden Zerfallsprozeß ausgesetzt. In den 30 Jahren, in denen ich den Taurus bereiste, begegneten mir z. B. in den späten 70er Jahren, ja sogar noch 1986 im Mittleren Taurus kleine (traditionelle) Kamelkarwanen, die zur Yayla zogen. Seit damals habe ich nur noch die vielen LKW gesehen, die die Schaf- und Ziegenherden samt dem Haushalt der ganzen Großfamilie in die oft weit entfernten Sommerweidegebiete brachten. Gewaltige Umwälzungen zerstörten auch die traditionelle stammesbezogene Textilkunst endgültig.
Durch Straßenbau, Trockenlegung der Sümpfe an der Küste und in den Tälern, durch Überweidung der immer kleiner werdenden Flächen, Zerstörung der Natur (z. B. Abholzung der Wälder bis in die 30er Jahre dieses Jahrhunderts), ist die Tradition heute so zerstört, das uns nur wenige erhaltene Fotos und alte Flachgewebe noch die Schönheit des alten Tauruslebens erahnen lassen.